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Viele Wege, ein Ziel: Wie DEAL-Einrichtungen Open-Access-Kosten finanzieren – und was wir voneinander lernen können

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Veröffentlicht: 10. März 2026
  • 10.03.2026

Ein Auftakt zur Initiative OA PeerPraxis der DEAS

 

In Deutschland ist das standardmäßige Open-Access-Publizieren nicht mehr nur eine Vision, sondern gelebte Praxis. Mit den bundesweiten DEAL-Verträgen mit den Verlagen Elsevier, Wiley und Springer Nature haben mehr als 500 Einrichtungen im deutschen Wissenschaftssystem einen maßgeblichen Schritt in der Neustrukturierung der wissenschaftlichen Informationsversorgung vollzogen. Über 38.000 Artikel erscheinen nun jedes Jahr unter Open-Access-Bedingungen.

Der Anteil frei zugänglicher Publikationen aus deutschen Einrichtungen hat sich durch die DEAL-Verträge von etwa einem Viertel vor DEAL (2018) auf nun gut drei Viertel erhöht. Das sind Zahlen, auf die die deutsche Wissenschaftsgemeinschaft stolz sein kann. Sie zeigen, dass DEAL sein Versprechen einer flächendeckenden, strukturellen Transformation hin zu Open Access einlöst. Die DEAS unterstützt diesen Weg und dabei insbesondere die Veränderungen, die sich aus der praktischen Umsetzung der Verträge an den Einrichtungen und ihren Bibliotheken ergeben. Daher nehmen wir ernst, was die Praxis zeigt: Die Transformation bringt reale operative Herausforderungen mit sich, allen voran die Frage, wie Publikationsgebühren institutionell verlässlich finanziert werden können. Genau hier setzt unsere Initiative OA PeerPraxis an.

Was der Strukturwandel für die Einrichtungen bedeutet

Die Analysen der ersten DEAL-Vertragsphase zeigen eindeutig: Für die Mehrheit der teilnehmenden Einrichtungen ist DEAL günstiger – nicht zuletzt aufgrund des stark verbesserten Leistungsumfangs der Verträge. Einrichtungen, die zuvor keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu den Verlagsportfolios hatten, verfügen nun über vollständigen Lesezugang und erstmals über echte Open-Access-Publikationsrechte für ihre Forschenden.
Das neue publikationsbasierte Preismodell hat einen Effekt, den wir als Fortschritt verstehen: Es schafft Transparenz über Kosten, die im früheren Subskriptionsmodell verborgen waren. Einheitliche Preise je Publikation ersetzen intransparente Subskriptionsgebühren, über die aufgrund von Vertraulichkeitsklauseln nicht gesprochen werden durfte. Richtig ist aber auch: Während DEAL den deutschen Wissenschaftseinrichtungen in ihrer Gesamtheit Kosten spart, führt das neue Preismodell auf der Ebene einzelner Einrichtungen zu einer anderen Verteilung der Ausgaben. Denn nun wird dort gezahlt, wo publiziert wird. Dadurch sind die Kosten im direkten Vergleich zu den früheren Subskriptionsausgaben für manche Einrichtungen, insbesondere für forschungsstarke Universitäten mit hohem Publikationsaufkommen, gestiegen – mitunter um ein Vielfaches.

Open-Access-Finanzierung in der Praxis

Damit DEAL seine Wirkung voll entfalten kann, müssen die Einrichtungen in die Lage versetzt werden, die damit verbundenen Finanzierungsstrukturen verlässlich zu gestalten. Damit ist nicht alleine der Umgang mit Kostensteigerungen gemeint. Die Herausforderungen zeigen sich dort, wo Mittel nicht zentral gesteuert werden oder wo die Finanzierung von Publikationen grundsätzlich nicht langfristig abgesichert werden kann. Wo ein Budget fehlt oder von Jahr zu Jahr neu ausgehandelt werden muss, entstehen Unsicherheiten: für die Bibliothek bei der Planung, für die Forschenden bei der Frage, ob und unter welchen Bedingungen ihre Publikation finanziert wird. Hinzu kommt ein Gefühl fehlender Kostenkontrolle angesichts dynamischer Publikationstrends.
Bibliotheken sind in dieser Situation häufig in einer schwierigen Position: Sie tragen die operative Verantwortung für die Abwicklung von Publikationsgebühren, verfügen aber nicht immer über die institutionelle Rückendeckung oder Budgethoheit, um die nötigen Veränderungen selbst herbeiführen zu können. Ob sie Gehör finden, hängt häufig von lokalen Konstellationen ab – von der Unterstützung durch die Hochschulleitung, vom Verhältnis zu den Fakultäten, vom politischen Willen auf Landesebene. Hinzu kommt die große strukturelle Bandbreite: ob Universitätsbibliotheken einschichtig oder zweischichtig organisiert sind, ob Unikliniken mit zu versorgen sind, ob es sich um große Forschungsorganisationen oder kleinere Fachhochschulen handelt – die Ausgangsbedingungen sind außerordentlich heterogen.

Was wir wissen – und was wir daraus machen

Hier liegen die zentralen Herausforderungen der nächsten Jahre, und hier möchten wir mit OA PeerPraxis ansetzen. Um sie systematisch angehen zu können, hat die DEAS im Sommer 2025 eine Umfrage unter DEAL-Einrichtungen zu ihren Finanzierungsstrategien durchgeführt. 142 Einrichtungen haben teilgenommen. Die Ergebnisse bestätigen: Es gibt nicht den einen richtigen Weg – aber es gibt sehr unterschiedliche Ausgangsbedingungen, und es gibt Einrichtungen, die bereits heute zeigen, wie es gut funktioniert.
Die Umfrageergebnisse haben für die Stichprobe gezeigt: Während die Mehrheit der Einrichtungen PAR Fees und APCs für DEAL bereits vollständig zentral finanziert arbeiten andere Einrichtungen für die Finanzierung von fully gold Open Access mit Publikationsfonds, in dessen Rahmen eine Kostenübernahme an Bedingungen wie Antragstellung oder Preisobergrenzen geknüpft wird. Ein wiederum weiterer, wenngleich kleiner Teil der Einrichtungen verfügt nur über sehr eingeschränkte zentrale Mittel, sodass Gebühren an Fachbereiche oder direkt an die Publizierenden weiterverrechnet werden.
Dort, wo Open-Access-Finanzierung einfach, verlässlich und zentral organisiert ist, ist das Open Access-Publizieren für Wissenschaftler*innen eine gute Erfahrung und der administrative Aufwand an der Einrichtung sinkt. Die Befragung hat gezeigt, dass diese Art der Open-Access-Finanzierung bereits in Einrichtungen aller Typen und Größenklassen praktiziert wird. Das zeigt, dass sie grundsätzlich möglich ist, wenngleich der Weg dorthin je nach institutionellen Rahmenbedingungen unterschiedlich aussehen mag. Genau dieses Wissen möchten wir im Rahmen von OA PeerPraxis sichtbar machen und teilen.

OA PeerPraxis: Gemeinsam gestalten, voneinander lernen

Im Rahmen einer Webinar-Serie werden wir die Umfrageergebnisse mit der gesamten DEAL-Community teilen, um eine Bestandsaufnahme zu erstellen, die uns als Grundlage für einen konstruktiven Dialog dient.
Gemeinsam möchten wir dann diskutieren: Was macht Ihre Situation besonders herausfordernd? Wo haben Sie Lösungen gefunden, die auch für andere von Interesse sein könnten? Ergänzend dazu führen wir ausführliche Gespräche und Interviews mit ausgewählten Einrichtungen, um die Lage vor Ort besser zu verstehen und Best-Practice-Kandidaten zu identifizieren.
Daraus sollen ab der zweiten Jahreshälfte möglichst konkrete Fallstudien als Orientierungshilfen für diejenigen entstehen, die ihren eigenen Weg suchen. Dazu sind Themen-Webinare zu spezifischen Fragen geplant: zu Verwaltungsprozessen, zur internen Kommunikation mit Fakultäten und Hochschulleitungen oder zur Situation von Nachwuchswissenschaftler*innen.

Die Bibliotheken in Deutschland haben in den letzten Jahren bewiesen, dass sie die OA-Transformation managen können. Sie haben mehr Handlungsspielraum und Expertise, als es manchmal den Anschein hat. OA PeerPraxis ist die Einladung, diesen Spielraum gemeinsam zu nutzen und dabei den Blick auf das zu richten, was wirklich funktioniert. Wir freuen uns auf den Austausch.

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